
KI-Kompetenz zeigen: So baust Du ein belastbares Praxisportfolio
Du hast eine KI-Weiterbildung abgeschlossen. Im nächsten Gespräch kommt die entscheidende Frage: „Was kannst Du damit bei uns konkret übernehmen?“
Eine gute Antwort braucht ein Beispiel. Eine Arbeitsprobe zeigt, wie Du eine Aufgabe strukturierst, KI sinnvoll einsetzt und das Ergebnis prüfst. Genau dafür lohnt sich ein kleines Praxisportfolio. Du kannst es für ein Entwicklungsgespräch, einen Rollenwechsel oder eine Bewerbung nutzen.
Drei sauber dokumentierte Beispiele sind ein guter Anfang. Wichtig ist, dass Dein eigener Beitrag sichtbar bleibt: Was hast Du vorgegeben, entschieden, korrigiert und bewusst selbst übernommen?
Was gehört in ein KI-Praxisportfolio?
Ein Portfolio ist eine Sammlung ausgewählter Arbeitsproben mit kurzen Erläuterungen. Ein fertiger Text allein sagt wenig darüber aus, wie er entstanden ist. Ergänze deshalb die Aufgabe, Deinen Lösungsweg und die Prüfung.
Der europäische Kompetenzrahmen DigComp 3.0 integriert KI-Kompetenzen bereichsübergreifend in digitale Kompetenz. Die Europäische Kommission beschreibt ihn als allgemeinen Orientierungsrahmen. Ein offizielles DigComp-Zertifizierungssystem gibt es laut ihrer Erläuterung nicht. Für Dein Portfolio bedeutet das: Konkrete Fähigkeiten und nachvollziehbare Ergebnisse machen Deine Kompetenz greifbar. Die folgende Auswahl ist eine praktische Empfehlung der KI-Trainingakademie, kein vorgeschriebener Nachweisstandard.
Quelle: Joint Research Centre: Fragen und Antworten zu DigComp, geprüft am 9. Oktober 2026.
Arbeitsprobe 1: Informationen zuverlässig aufbereiten
Wähle eine kleine Aufgabe mit überprüfbarer Grundlage. Beispielsweise sollst Du aus einem fiktiven Besprechungsprotokoll eine Aufgabenübersicht erstellen.
Zeige dazu:
- die Ausgangsinformationen in einer kurzen, freigegebenen oder vollständig erfundenen Fassung,
- Deinen Prompt,
- den ersten KI-Entwurf,
- Deine Korrekturen,
- die geprüfte Endfassung.
Prüfe besonders Verantwortliche, Termine und offene Entscheidungen. Hat niemand einen Termin genannt, gehört dort „noch zu klären“. Ein ausgedachtes Datum macht die Übersicht zwar vollständig, aber falsch.
Die Arbeitsprobe zeigt, ob Du Informationen sauber trennen und fehlende Angaben erkennen kannst.
Arbeitsprobe 2: Eine Entscheidung vorbereiten
Nutze drei fiktive Angebote für dieselbe Leistung. Lass die KI eine Vergleichsübersicht erstellen und dokumentiere, welche Kriterien Du vorgegeben hast.
Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen sucht eine interne Schulung. Die Angebote unterscheiden sich bei Gruppengröße, Praxisanteil, Betreuung und Gesamtpreis. In einem Angebot fehlen Angaben zu den Nutzungsrechten der Unterlagen.
Deine Aufgabe ist, diese Lücke sichtbar zu machen. Lass die KI keine fehlende Zusage ergänzen. Zeige, welche Rückfrage vor der Entscheidung nötig ist und welche Bewertung Du selbst vornimmst.
Ein überzeugendes Ergebnis enthält deshalb auch Unsicherheiten. Die Entscheidung bleibt bei der zuständigen Person.
Arbeitsprobe 3: Einen kleinen Ablauf verbessern
Beschreibe einen überschaubaren Prozess, etwa die Vorbereitung einer internen Besprechung. Zeichne zunächst auf, welche Schritte heute anfallen. Markiere anschließend, wo KI zuarbeiten kann und wo jemand prüfen oder freigeben muss.
Als Arbeitsprobe reichen:
- ein kurzer Ablauf vor dem KI-Einsatz,
- der vorgeschlagene neue Ablauf,
- ein Test mit fiktiven Daten,
- beobachtete Fehler und Deine Anpassungen,
- eine klare Grenze für den Einsatz.
Vielleicht kann KI Tagesordnung und offene Fragen vorbereiten. Das Versenden der Einladung bleibt im Beispiel eine menschliche Freigabe. Begründe diese Grenze und benenne, welche Zugriffe überhaupt erforderlich wären.
Wenn Du Zeitersparnisse nennen möchtest, miss sie. Notiere Ausgangszeit, Bearbeitungszeit mit KI und Prüfaufwand. Ohne Messung kennzeichnest Du eine mögliche Ersparnis als Schätzung. Ein einzelner Test erlaubt noch keine allgemeine Aussage über den Betrieb.
Eine Vorlage für jede Arbeitsprobe
Du brauchst dafür keine aufwendige Website. Eine gut lesbare Seite je Beispiel genügt zum Einstieg.
Aufgabe: Was sollte entstehen und für wen?
Ausgangslage: Welche Informationen lagen vor? Was fehlte?
Daten: Waren sie öffentlich, ausdrücklich freigegeben oder fiktiv?
Werkzeug und Stand: Welches KI-Tool hast Du verwendet, an welchem Datum und, sofern erkennbar, mit welcher Modellversion?
Vorgehen: Welchen Prompt und welche Arbeitsschritte hast Du gewählt?
Eigener Beitrag: Welche Kriterien, Entscheidungen und Korrekturen stammen von Dir?
Prüfung: Wie hast Du Fakten, Vollständigkeit und Nutzbarkeit kontrolliert?
Ergebnis: Was funktioniert? Was bleibt offen?
Grenzen: Wofür darf diese Lösung nicht ohne weitere Prüfung eingesetzt werden?
Nächster Versuch: Was würdest Du verändern und wie prüfen?
Fiktives Beispiel: Aus einem Protokoll werden klare Aufgaben
Ausgangstext: „Anna klärt mit dem Vertrieb, welche Beispiele wir brauchen. Ben prüft die Technik bis Freitag. Über das Budget entscheiden wir später.“
Ein sauberer Ergebnisausschnitt lautet:
- Anna: Beispiele mit dem Vertrieb klären. Termin: nicht genannt.
- Ben: Technik prüfen. Termin: Freitag; konkretes Kalenderdatum aus dem Meetingdatum noch zu bestimmen.
- Budgetentscheidung: offen. Verantwortliche Person und Termin nicht benannt.
Dein Prüfvermerk könnte lauten: „Die KI hatte für Anna zunächst ebenfalls Freitag eingetragen. Ich habe das korrigiert, weil diese Frist im Ausgangstext nur für Ben gilt. Ein Versand oder eine Aufgabenanlage wurde nicht ausgelöst.“
Das ist eine kleine Arbeitsprobe. Sie zeigt trotzdem etwas Wichtiges: Du übernimmst ein plausibles Ergebnis nicht ungeprüft.
Was Du vor dem Teilen entfernst
Verwende für ein öffentliches Portfolio möglichst vollständig fiktive Daten. Echte Kundennamen, interne Zahlen, vertrauliche Unterlagen, Zugangsdaten und personenbezogene Informationen gehören nicht ungeprüft hinein. Auch ein Screenshot kann solche Angaben enthalten.
Prüfe außerdem, ob Du Texte, Bilder und Vorlagen weitergeben darfst. Beschreibe Deinen Anteil ehrlich. Eine KI-generierte Grafik oder ein fiktives Beispiel sollte entsprechend gekennzeichnet sein.
Für ein internes Entwicklungsgespräch gelten die Freigaben und Regeln Deines Unternehmens. Ein Beispiel aus der eigenen Arbeit ist nicht automatisch für die Veröffentlichung freigegeben.
So besprichst Du das Portfolio mit Deiner Führungskraft
Beginne mit einer Aufgabe, die in Deinem Bereich tatsächlich vorkommt. Zeige das Ergebnis und erkläre anschließend Deinen Prüfweg.
Diese drei Fragen führen weiter:
- Welche dieser Aufgaben darf ich künftig in einem klar begrenzten Rahmen mit KI bearbeiten?
- Wer prüft das Ergebnis und entscheidet über die weitere Verwendung?
- An welchem konkreten Ergebnis erkennen wir, dass ich die Aufgabe zuverlässig beherrsche?
So wird aus einer Weiterbildung ein nachvollziehbarer nächster Entwicklungsschritt. Ob daraus eine neue Rolle entsteht, hängt von den Aufgaben und Entscheidungen im Unternehmen ab. Ein Portfolio verspricht weder eine Stelle noch ein bestimmtes Einkommen.
Dein nächster Schritt
Wähle heute eine kleine Aufgabe und dokumentiere sie mit der Vorlage. Lass eine fachkundige Person prüfen, ob Deine Schlussfolgerungen aus den Ausgangsdaten folgen. Ergänze die Rückmeldung und eine verbesserte Fassung.
Wenn Du eine passende Weiterbildung suchst, bring diese Arbeitsprobe ins Gespräch mit der KI-Trainingakademie mit. An einem konkreten Beispiel lässt sich gut klären, welche Fähigkeiten Du bereits einsetzt und was Du als Nächstes lernen möchtest.
KI-generiertes Symbolbild mit fiktiven Personen.
